Du hast dich entschieden, deine Website von einem Freelancer erstellen zu lassen. Grossartig. Aber bevor es losgeht, steht eine Aufgabe an, die viele unterschaetzen: das Webdesign-Briefing. Dieses Dokument entscheidet massgeblich darueber, ob dein Projekt reibungslos laeuft oder in endlosen Korrekturschleifen versinkt.
Ein Webdesign-Briefing ist kein buerokratischer Overhead. Es ist dein wichtigstes Werkzeug, um dem Freelancer klarzumachen, was du brauchst — und was nicht. In diesem Guide erfaehrst du Schritt fuer Schritt, wie du ein Briefing schreibst, das keine Fragen offenlaesst.
Was gehoert in ein Webdesign-Briefing?
Diese Frage hoeren Freelancer staendig. Die kurze Antwort: alles, was der Designer braucht, um ohne Raetselraten loslegen zu koennen. Die ausfuehrliche Antwort ist ein strukturiertes Dokument mit folgenden Bausteinen.
Dein Unternehmen und deine Marke
Beginne mit dem Kontext. Wer bist du, was macht dein Unternehmen, und wofuer steht deine Marke? Auch wenn du denkst, dass das offensichtlich ist — fuer den Freelancer ist es das nicht. Beschreibe:
- Unternehmensname und Branche — Was genau bietest du an?
- Alleinstellungsmerkmale — Was unterscheidet dich von der Konkurrenz?
- Markenidentitaet — Hast du ein Corporate Design, Farbpalette, Logo-Richtlinien?
- Tonalitaet — Wie sprichst du deine Kunden an? Formell, locker, technisch?
Je konkreter du hier wirst, desto besser kann der Designer deine Marke visuell umsetzen.
Projektziele und Anlass
Warum brauchst du eine neue Website? Die Antwort auf diese Frage bestimmt die gesamte Ausrichtung des Projekts. Typische Anlaesse sind:
- Neuerstellung — Du startest komplett neu und brauchst eine Website von Grund auf.
- Relaunch — Deine bestehende Website ist veraltet und soll modernisiert werden.
- Erweiterung — Du moechtest neue Funktionen oder Bereiche ergaenzen.
Definiere ausserdem messbare Ziele. Statt “die Website soll besser aussehen” schreibst du: “Wir wollen die Conversion-Rate der Kontaktseite um 30 Prozent steigern” oder “Die Absprungrate soll unter 40 Prozent sinken”. Solche konkreten Ziele geben dem Freelancer eine klare Richtung.
Zielgruppe
Dein Freelancer muss wissen, fuer wen die Website gedacht ist. Beschreibe deine Zielgruppe so genau wie moeglich:
- Alter, Geschlecht, Beruf
- Technisches Wissen (nutzen sie eher Desktop oder Smartphone?)
- Beduerfnisse und Schmerzpunkte
- Was soll der Besucher auf der Website tun?
Wenn du bereits Personas erstellt hast, teile diese im Briefing. Falls nicht, reichen auch Stichpunkte. Hauptsache, der Designer weiss, fuer wen er gestaltet.
Wie beschreibe ich meine Wunsch-Website?
Das ist der Teil, an dem viele scheitern. Du hast eine Vorstellung im Kopf, aber wie bringst du die zu Papier? Hier sind bewaehrte Methoden.
Referenzwebsites sammeln
Suche drei bis fuenf Websites, die dir gefallen, und erklaere konkret, was daran gut ist. Nicht einfach “Die finde ich schoen”, sondern:
- “Die Navigation von website-x.de ist uebersichtlich und intuitiv”
- “Die Farbgebung von website-y.de passt zu unserer Marke”
- “Der Hero-Bereich von website-z.de erzeugt sofort Vertrauen”
Genauso hilfreich: Websites, die dir nicht gefallen, mit Begruendung. Das schuetzt vor Missverstaendnissen.
Seitenstruktur und Inhalte
Liste alle Seiten auf, die deine Website haben soll. Eine typische Struktur koennte so aussehen:
- Startseite
- Ueber uns
- Leistungen (mit Unterseiten)
- Referenzen / Portfolio
- Blog
- Kontakt
- Impressum und Datenschutz
Fuer jede Seite beschreibst du kurz den Zweck und die wichtigsten Inhalte. Wenn du bereits Texte, Bilder oder Videos hast, erwaehne das. Falls Inhalte noch erstellt werden muessen, klaere, wer dafuer zustaendig ist — du oder der Freelancer.
Funktionale Anforderungen
Hier wird es technisch. Welche Funktionen braucht deine Website? Denke an:
- Kontaktformulare — einfaches Formular oder mehrstufig?
- Blog oder News-Bereich — brauchst du ein CMS?
- Online-Shop — Produktanzahl, Zahlungsmethoden, Versandoptionen?
- Mehrsprachigkeit — welche Sprachen, automatisch oder manuell?
- Integrationen — Newsletter-Tool, CRM, Buchungssystem, Social Media?
- Suchmaschinenoptimierung — technisches SEO von Anfang an?
- Barrierefreiheit — WCAG-Standards einhalten?
Jede Anforderung, die du hier vergisst, fuehrt spaeter zu Nachtraegen — und die kosten Zeit und Geld.
Welche Informationen braucht ein Webdesigner?
Neben den inhaltlichen und funktionalen Anforderungen gibt es weitere Punkte, die dein Freelancer von dir braucht.
Bestehende Assets
Stelle alle vorhandenen Materialien zusammen:
- Logo in verschiedenen Formaten (SVG, PNG)
- Farbcodes (HEX oder RGB)
- Schriftarten
- Bildmaterial (Fotos, Illustrationen, Icons)
- Texte und Copywriting-Vorgaben
- Brand Guidelines oder Styleguides
Je vollstaendiger du hier lieferst, desto weniger Rueckfragen gibt es. Fehlende Assets sind einer der haeufigsten Gruende fuer Verzoegerungen in Webprojekten.
Budget und Zeitrahmen
Sei ehrlich beim Budget. Ein guter Freelancer kann dir sagen, was in deinem Rahmen moeglich ist und was nicht. Wenn du kein konkretes Budget nennen willst, gib zumindest eine Spanne an.
Beim Zeitrahmen gilt: realistisch planen. Eine professionelle Website braucht in der Regel vier bis zwoefl Wochen, abhaengig vom Umfang. Nenne einen Wunschtermin fuer den Launch und klaere, ob es harte Deadlines gibt — etwa eine Messe oder ein Produktlaunch.
Wenn du unsicher bist, was eine Website kostet, findest du Orientierung in unserem Artikel zu Website erstellen lassen: Kosten im Ueberblick.
Kommunikation und Prozess
Klaere vorab, wie die Zusammenarbeit laufen soll:
- Ansprechpartner — Wer gibt Feedback und Freigaben?
- Kommunikationskanal — E-Mail, Slack, Telefon, Projektmanagement-Tool?
- Feedback-Zyklen — Wie viele Korrekturschleifen sind eingeplant?
- Meilensteine — Welche Zwischenergebnisse erwartest du wann?
Dieser Punkt wird oft vergessen, fuehrt aber zu den groessten Frustrationen. Wenn drei Personen auf Kundenseite unterschiedliches Feedback geben, wird jedes Projekt zum Chaos. Definiere einen Entscheider.
Haeufige Fehler beim Webdesign-Briefing
Auch ein ausfuehrliches Briefing kann schiefgehen. Diese Fehler solltest du vermeiden:
Zu vage formulieren. “Die Website soll modern und professionell aussehen” sagt dem Freelancer nichts. Was heisst modern fuer dich? Minimalistisch? Bunt? Mit Animationen? Konkrete Beispiele schlagen abstrakte Adjektive.
Zu viele Koeche. Wenn jede Abteilung eigene Wuensche einbringt, wird das Briefing ein Sammelsurium aus Widerspruechen. Bündle Anforderungen vorher intern.
Das Budget verschweigen. Manche Auftraggeber wollen erst Angebote sehen, bevor sie ein Budget nennen. Das fuehrt zu Angeboten, die an der Realitaet vorbeigehen. Offenheit spart beiden Seiten Zeit.
Design-Entscheidungen vorwegnehmen. Du engagierst einen Experten — lass ihn auch Experte sein. Statt “Der Button soll rot sein und oben rechts stehen” beschreibe lieber das Ziel: “Der Call-to-Action soll sofort ins Auge fallen.”
SEO ignorieren. Suchmaschinenoptimierung ist kein Feature, das man am Ende draufpackt. Sie muss von Anfang an im Briefing stehen. Nenne deine wichtigsten Keywords und Ranking-Ziele.
Briefing-Format: Wie lang und in welcher Form?
Ein haeufiges Missverstaendnis: Das Briefing muss kein 20-seitiges PDF sein. Fuer kleinere Projekte — etwa eine Visitenkarten-Website oder einen One-Pager — reichen zwei bis drei Seiten voellig aus. Fuer groessere Projekte mit Shop-Funktionalitaet, mehrsprachigem Content oder komplexen Integrationen darf es ausfuehrlicher sein.
Wichtiger als die Laenge ist die Struktur. Arbeite mit klaren Ueberschriften, Aufzaehlungen und kurzen Absaetzen. Dein Freelancer soll das Dokument als Nachschlagewerk nutzen koennen — nicht als Roman lesen muessen.
Beim Format hast du mehrere Optionen:
- Google Doc oder Notion — ideal fuer kollaboratives Arbeiten, Kommentare und Versionierung
- PDF — gut fuer die finale Version, aber umstaendlich bei Aenderungen
- Projektmanagement-Tool — wenn ihr ohnehin mit Asana, Trello oder Basecamp arbeitet, kann das Briefing direkt dort leben
- E-Mail — fuer sehr kleine Projekte akzeptabel, aber schnell unuebersichtlich
Ein Tipp: Erstelle das Briefing gemeinsam mit deinem Team und lass es von allen Entscheidern abzeichnen, bevor du es an den Freelancer schickst. So vermeidest du spaetere Richtungswechsel.
Briefing-Checkliste zum Abhaken
Damit du nichts vergisst, hier die komplette Checkliste fuer dein Webdesign-Briefing:
- Unternehmensbeschreibung und Branche
- Markenidentitaet (Logo, Farben, Schriften, Tonalitaet)
- Projektziel und Anlass (Neuerstellung, Relaunch, Erweiterung)
- Messbare Ziele und KPIs
- Zielgruppe und Personas
- Referenzwebsites (positiv und negativ)
- Seitenstruktur und geplante Inhalte
- Funktionale Anforderungen (Formulare, Shop, Blog, CMS)
- Technische Anforderungen (Hosting, Domain, Integrationen)
- SEO-Anforderungen und Keywords
- Barrierefreiheit
- Bestehende Assets (Logo, Bilder, Texte)
- Budget oder Budgetrahmen
- Zeitrahmen und Deadlines
- Ansprechpartner und Entscheidungswege
- Kommunikationskanal und Feedback-Prozess
Vom Briefing zum erfolgreichen Projekt
Ein gruendliches Briefing ist der erste Schritt — aber nur der erste. Wie der gesamte Webdesign-Prozess danach ablaeuft, von Wireframes ueber Prototypen bis zum Launch, erfaehrst du in unserem ausfuehrlichen Guide.
Entscheidend ist: Das Briefing ist ein lebendiges Dokument. Es darf und soll im Laufe des Projekts ergaenzt werden. Aber je besser die Grundlage, desto weniger Nacharbeit.
Wenn du jetzt einen Freelancer suchst, der mit deinem Briefing loslegen kann, schau dir unsere Freelancer-Uebersicht an. Dort findest du erfahrene Webdesigner aus dem gesamten deutschsprachigen Raum — mit Profilen, Spezialisierungen und direkter Kontaktmoeglichkeit. Und falls du noch unsicher bist, wie du den richtigen Freelancer findest, hilft dir unser Leitfaden zum professionellen Webdesigner finden.