Ein gutes Webdesign-Angebot ist mehr als eine Preisliste. Es ist oft das erste Dokument, das dein potenzieller Kunde ausdruckt, mit Kollegen bespricht und mit anderen Angeboten vergleicht. Wenn es unklar ist, verlierst du den Auftrag an jemanden, der vielleicht teurer, aber verständlicher ist. Wenn es zu vage ist, gewinnst du den Auftrag zwar, streitest dich aber später über jede Zusatzleistung.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du ein Webdesign-Angebot aufbaust, welche Bestandteile hineingehören, wie du Leistungen und Preise formulierst und welche Fehler dich Aufträge oder Nerven kosten. Am Ende hast du eine Struktur, die du für jedes Projekt wiederverwenden kannst.
Was gehört in ein Webdesign-Angebot?
Ein vollständiges Angebot beantwortet fünf Fragen: Was ist das Problem des Kunden? Was genau lieferst du? Was lieferst du nicht? Was kostet es? Und wie geht es weiter? Daraus ergibt sich eine bewährte Gliederung:
- Deckblatt und Kopfdaten: Deine Kontaktdaten, Kundendaten, Angebotsnummer, Datum, Gültigkeitsdauer
- Ausgangslage und Ziel: Zwei bis vier Sätze, die zeigen, dass du den Kunden verstanden hast
- Leistungsbeschreibung: Die einzelnen Projektphasen mit konkreten Ergebnissen
- Abgrenzung: Was ausdrücklich nicht enthalten ist
- Preise: Positionen, Summe, Umsatzsteuer oder Hinweis auf Kleinunternehmerregelung
- Zeitplan: Grobe Meilensteine und was du dafür vom Kunden brauchst
- Zahlungsbedingungen: Anzahlung, Teilzahlungen, Zahlungsziel
- Rahmenbedingungen: Korrekturschleifen, Nutzungsrechte, Mitwirkungspflichten
- Nächste Schritte: Wie der Kunde annimmt und was danach passiert
Das klingt nach viel, passt aber für eine typische Unternehmenswebsite auf drei bis fünf Seiten. Länger muss es selten sein.
Die Ausgangslage: Zeig, dass du zugehört hast
Viele Freelancer starten direkt mit der Leistungsliste. Dabei ist der Abschnitt zur Ausgangslage der Teil, den Entscheider am aufmerksamsten lesen. Hier greifst du auf, was im Erstgespräch oder im Webdesign-Briefing gesagt wurde.
Beispiel:
Die aktuelle Website der Tischlerei Müller ist rund zehn Jahre alt, auf dem Smartphone kaum bedienbar und bringt laut Ihrer Aussage keine Anfragen mehr. Ziel des Projekts ist eine moderne, mobil optimierte Website, die Ihre Referenzen zeigt, bei lokalen Suchanfragen gefunden wird und Interessenten zu einer Anfrage über das Kontaktformular führt.
Diese wenigen Sätze leisten zwei Dinge: Der Kunde fühlt sich verstanden, und du hast schriftlich festgehalten, woran das Projekt gemessen wird. Das hilft dir später, wenn plötzlich neue Wünsche auftauchen.
Leistungen konkret beschreiben
Der wichtigste Grundsatz: Beschreibe Ergebnisse, nicht Tätigkeiten. „Design” ist eine Tätigkeit. „Gestaltung von zwei Layout-Entwürfen für die Startseite, davon einer wird ausgearbeitet” ist ein Ergebnis, das man abhaken kann.
Eine praxistaugliche Gliederung nach Projektphasen:
| Phase | Beispiel-Leistung |
|---|---|
| Konzeption | Sitemap mit bis zu 8 Seiten, Wireframe für Startseite und eine Unterseite |
| Design | Screendesign Desktop und Mobil, 2 Korrekturschleifen |
| Umsetzung | WordPress-Installation, Theme-Anpassung, Einpflegen der gelieferten Inhalte |
| Technik | SSL, Basis-SEO (Titles, Descriptions, Sitemap), Kontaktformular, Cookie-Consent |
| Abnahme | Test auf gängigen Browsern und Geräten, Einweisung (60 Minuten per Video-Call) |
Achte auf Zahlen: Anzahl der Seiten, Anzahl der Entwürfe, Anzahl der Korrekturschleifen, Dauer der Einweisung. Jede Zahl, die du hier nennst, verhindert eine spätere Diskussion.
Optionale Positionen richtig einsetzen
Optionale Positionen sind ein gutes Werkzeug, um das Angebot flexibel zu halten, ohne den Gesamtpreis aufzublähen. Typische Kandidaten sind Texterstellung, Fotoshooting, Mehrsprachigkeit, ein Blog-Bereich oder ein Wartungspaket für Updates und WordPress-Sicherheit nach dem Launch. Kennzeichne sie klar als „optional” und rechne sie nicht in die Gesamtsumme ein.
Die Abgrenzung: Was nicht enthalten ist
Dieser Abschnitt fehlt in erstaunlich vielen Angeboten. Dabei entstehen die meisten Konflikte genau hier. Typische Punkte für die Abgrenzung:
- Erstellung von Texten und Bildmaterial (sofern nicht gesondert angeboten)
- Kosten für Hosting, Domain, Premium-Plugins oder Stockfotos
- Rechtstexte wie Impressum und Datenschutzerklärung (du bindest sie ein, erstellst sie aber nicht)
- Laufende Pflege und Updates nach der Abnahme
- Suchmaschinenwerbung und fortlaufende SEO-Betreuung
Formuliere das neutral und ohne Misstrauen: „Nicht Bestandteil dieses Angebots sind …“. Wichtig ist nur, dass es drinsteht. Wie du diese Punkte zusätzlich vertraglich absicherst, erklärt unser Artikel zum Freelancer-Vertrag für Webdesign.
Wie kalkuliere ich den Preis im Webdesign-Angebot?
Die Grundlage bleibt dein interner Stundensatz. Du schätzt pro Phase den Aufwand in Stunden, multiplizierst mit deinem Satz und schlägst einen Puffer auf. Bei neuen Projekttypen sind 15 bis 25 Prozent Puffer realistisch, bei Routineprojekten weniger.
Im Angebot selbst hast du drei Möglichkeiten, den Preis darzustellen:
- Festpreis pro Phase: Übersichtlich, der Kunde sieht, wofür er zahlt. Für die meisten Websiteprojekte die beste Wahl.
- Gesamtfestpreis: Einfach, aber der Kunde kann schlecht einschätzen, wo er sparen könnte.
- Aufwandsschätzung nach Stunden: Sinnvoll bei unklarem Umfang, etwa bei Relaunches mit viel Altlast. Gib dann eine Spanne an und vereinbare, dass du bei Überschreitung vorher informierst.
Vermeide Stundenangaben pro Einzelposition, wenn du einen Festpreis anbietest. Sonst beginnt der Kunde, einzelne Stunden zu verhandeln, statt das Ergebnis zu bewerten. Eine Orientierung, in welchem Rahmen sich Websiteprojekte grob bewegen, gibt der Artikel Website erstellen lassen: Kosten.
Pakete statt eines einzigen Preises
Eine bewährte Methode ist, zwei oder drei Varianten anzubieten, zum Beispiel „Basis”, „Standard” und „Erweitert”. Die Varianten unterscheiden sich im Umfang, etwa bei Seitenanzahl, Texterstellung oder Zusatzfunktionen. Der Kunde vergleicht dann deine Varianten miteinander statt dein Angebot mit dem der Konkurrenz. Wichtig: Jede Variante muss für sich ein sinnvolles Ergebnis liefern.
Zeitplan und Mitwirkung des Kunden
Ein Zeitplan im Angebot sollte realistisch sein und die Abhängigkeiten zeigen. Die häufigste Ursache für verspätete Websites sind fehlende Inhalte vom Kunden, nicht langsame Freelancer. Schreib das offen hinein:
Der Zeitplan setzt voraus, dass Texte und Bilder bis spätestens zum Start der Umsetzungsphase vorliegen und Feedback zu Entwürfen innerhalb von fünf Werktagen erfolgt.
Meilensteine in Wochen statt in festen Kalenderdaten sind flexibler: „Woche 1–2: Konzeption, Woche 3–4: Design, Woche 5–7: Umsetzung, Woche 8: Tests und Launch.”
Zahlungsbedingungen, die dich schützen
Für Websiteprojekte hat sich eine Aufteilung in Teilzahlungen bewährt, zum Beispiel:
- 30 bis 50 Prozent bei Auftragserteilung
- ein weiterer Teil nach Freigabe des Designs
- der Rest nach Abnahme bzw. Launch
Nenne ein Zahlungsziel (etwa 14 Tage) und kläre, ob die Preise netto oder brutto sind. Wenn du die Kleinunternehmerregelung nutzt, gehört ein entsprechender Hinweis ins Angebot und später auf die Rechnung. Bei Rechnungen an Unternehmen sind außerdem die Vorgaben zur E-Rechnung zu beachten.
Gib dem Angebot eine Gültigkeitsdauer, meist 30 Tage. So bist du nicht Monate später an Preise gebunden, die du inzwischen nicht mehr halten kannst.
Typische Fehler im Webdesign-Angebot
1. Zu vage Leistungsbeschreibung. „Erstellung einer Website” lässt alles offen. Je konkreter, desto weniger Streit.
2. Unbegrenzte Korrekturschleifen. Lege die Anzahl fest und schreibe dazu, wie weitere Änderungen abgerechnet werden.
3. Fachjargon. Dein Kunde weiß nicht, was ein „Child Theme” oder ein „Staging-System” ist. Erkläre es in einem Halbsatz oder lass es weg.
4. Keine Abgrenzung. Siehe oben. Was nicht drinsteht, erwartet der Kunde im Zweifel inklusive.
5. Zu lange warten. Ein Angebot, das eine Woche nach dem Gespräch kommt, trifft auf einen abgekühlten Kunden. Zwei bis drei Werktage sind ein guter Richtwert.
6. Kein Nachfassen. Viele Angebote werden nicht abgelehnt, sondern schlicht vergessen. Eine freundliche Nachfrage nach etwa einer Woche ist professionell, nicht aufdringlich.
7. Keine Referenzen. Ein bis zwei passende Projekte aus deinem Portfolio mit Link machen das Angebot greifbarer.
Formulierungsbeispiele für dein Angebot
Ein paar Bausteine, die du anpassen kannst:
- Korrekturschleifen: „Im Preis enthalten sind zwei Korrekturschleifen pro Designphase. Weitere Änderungen berechne ich nach Aufwand mit X Euro pro Stunde, nach vorheriger Absprache.”
- Inhalte: „Texte und Bilder werden vom Auftraggeber in digitaler Form geliefert. Das Einpflegen von bis zu X Seiten ist enthalten.”
- Nutzungsrechte: „Mit vollständiger Bezahlung erhält der Auftraggeber die zeitlich und räumlich unbeschränkten Nutzungsrechte am Design für die vereinbarte Website.”
- Annahme: „Zur Beauftragung genügt eine kurze Bestätigung per E-Mail. Ich melde mich dann innerhalb von zwei Werktagen mit dem Terminvorschlag für den Kick-off.”
Die Formulierung zu Nutzungsrechten solltest du an deine Situation anpassen und bei Unsicherheit rechtlich prüfen lassen.
Angebot als PDF oder als Webseite?
Das klassische PDF ist nach wie vor Standard und lässt sich gut weiterleiten und ablegen. Manche Freelancer nutzen zusätzlich interaktive Angebotsseiten oder Angebotsfunktionen ihrer Buchhaltungssoftware, bei denen der Kunde direkt online annehmen kann. Das ist bequem, ersetzt aber nicht die inhaltliche Klarheit. Entscheidend ist, dass das Dokument auch ohne dich verständlich ist, denn oft entscheidet jemand, der beim Erstgespräch nicht dabei war.
Fazit: Ein klares Angebot ist dein bester Verkäufer
Ein gutes Webdesign-Angebot zeigt, dass du das Problem des Kunden verstanden hast, beschreibt Leistungen als überprüfbare Ergebnisse, grenzt klar ab und macht die nächsten Schritte einfach. Wenn du dir einmal eine saubere Vorlage mit den Bausteinen aus diesem Artikel baust, sparst du bei jedem neuen Projekt Zeit und vermeidest die Diskussionen, die sonst mitten im Projekt auftauchen.
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